Zellstoff und Altpapier dürfen nicht unter REACH fallen

Press releases |

Ziel des in Vorbereitung befindlichen Chemikalienrechts der EU, der sog. REACH-Verordnung, ist es, das Wissen über Chemikalien und ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu verbessern. Die Forstindustrie hält dieses Ziel für richtig und unterstützenswert. Sie hofft jedoch, dass die Verordnung möglichst eindeutig formuliert und praxisnah gestaltet wird, damit sich die Umwelt- und Gesundheitsziele ohne Schwächung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit erreichen lassen.

Für die Forstindustrie besonders wichtig ist, dass ihre Rohstoffe Zellstoff und Altpapier nicht in den Geltungsbereich der Verordnung fallen. Pro Jahr verwendet die Forstindustrie als Chemikalien klassifizierte Stoffe im Wert von etwa 1,2 Milliarden Euro. Etwa 75 Prozent davon sind die ungefährlichen Naturstoffe Lehm, Talk und Kreide. Die finnische Forstindustrie ist entschlossen, bei der Umweltsicherheit keine Kompromisse zu machen, was aber nicht bedeutet, dass die Kosteneffizienz Nebensache wäre.

Die REACH-Verordnung wird in der Forstindustrie beträchtliche Kostenwirkungen entfalten, u.a. durch steigenden Druck zur Erhöhung der Chemikalienpreise, ein verschlechtertes Angebot an kleinvolumigen Stoffen und Spezialchemikalien sowie eine Verlängerung der Zeitspanne bis zur Markteinführung neuer Produkte. Ein global agierendes Unternehmen der Forstindustrie kann diese zusätzlichen Kosten nicht auf die Preise seiner Produkte umlegen.

Problematisch an dem Entwurf ist erstens, dass sich seine Definitionen nicht für Naturstoffe eignen und zu Auslegungsproblemen führen. Im britischen Kompromisspapier fällt Zellstoff nicht unter die Definition von Naturstoffen. Es wäre klarer, Zellstoff explizit aus dem Geltungsbereich von REACH herauszunehmen. Eine andere Möglichkeit wäre es, die Definition für Naturstoffe zu modifizieren.

Zweitens ist Altpapier ein wichtiger Rohstoff für die Forstindustrie, und seine weitere Verwendung darf durch die Verordnung nicht gefährdet werden. Es scheint, dass Abfall nicht in den Geltungsbereich von REACH fallen wird, aber die Bestimmungen über Substanzen in Erzeugnissen würden auch altpapierhaltige Produkte betreffen. Ein Problem bei Altpapier ist, dass die Informationsvermittlung über die gesamte Lieferkette, ein zentrales REACH-Prinzip, beim Verbraucher abreißt. Die ursprünglichen Bestimmungen des Verordnungsvorschlags waren hier zum Teil mehrdeutig und in ihrer praktischen Umsetzbarkeit problematisch.

Drittens ist es wichtig, dass der Grenzwert für die Registrierungspflicht von Substanzen in Erzeugnissen bei 0,1 Prozent angesetzt wird, so wie dies auch in dem britischen Kompromisspapier vorgeschlagen wird. Vorgeschlagen wird zudem, dass die Registrierungspflicht nur für zulassungspflichtige Stoffe gilt.

Weitere Informationen:

Veera Eskelin, Leiterin Entwicklung, Verband der Finnischen Forstindustrie,
Tel. +359 9 132 6638, veera.eskelin@forestindustries.fi